UMFRAGE: Nimmersatt-Galerie? – Sollen nun auch Arztpraxen in die Stadtgalerie? – Heftige Diskussionen im Stadtrat um die Neuausrichtung der Stadtgalerie Schweinfurt
SCHWEINFURT – Angesichts eines Leerstands von rund 50 Prozent planen die Investoren der Stadtgalerie Schweinfurt eine grundlegende Neuausrichtung. Da der Standort für klassischen Einzelhandel zunehmend an Attraktivität verliert, strebt der Betreiber eine Umnutzung von Teilflächen für Arztpraxen an. Ein entsprechender Antrag auf Änderung des Flächennutzungs- und Bebauungsplanes sorgte in der letzten Sitzung des aktuellen Stadtrates für kontroverse Diskussionen.
Die Betreiber beabsichtigen, rund 21 Millionen Euro in den Umbau zu investieren. Vorgesehen ist, etwa 1.500 Quadratmeter Fläche für moderne Praxisräume zu erschließen. Während Befürworter darin eine notwendige Reaktion auf den kriselnden stationären Handel sehen, warnen Kritiker vor negativen Folgen für die bestehende Innenstadtstruktur.
Kritik an der Umnutzungsstrategie
Stadtratsmitglied Frau Dr. Schneider äußerte deutliche Bedenken gegen das Vorhaben. Sie befürchtet eine Verschärfung der Krise in der Innenstadt, da Patienten nach einem Praxisbesuch ihre Einkäufe vermutlich direkt in der Stadtgalerie und nicht mehr in der Fußgängerzone erledigen würden. Sie bezeichnete die Pläne als „Schachzug“ des Investors, der zwar für das ECE vorteilhaft, für die restliche Innenstadt jedoch schädlich sei.
Zudem kritisierte sie die mangelnde Anbindung: Da die Distanz zwischen Galerie und Stadtzentrum zu Fuß kaum überbrückt werde und frühere Verbindungskonzepte wie die „Bimmelbahn“ gescheitert seien, finde die versprochene Belebung der Innenstadt faktisch nicht statt.
Argumente für eine Kooperation
Florian Dittert (CSU) verwies hingegen auf den Onlinehandel als Hauptursache für den Rückzug der Ladengeschäfte. Er sprach sich dafür aus, nicht gegen die Investoren zu kämpfen, sondern durch Zusammenarbeit die Zukunft des Standortes zu sichern. Sein Ansatz sieht vor, die Umbaupläne der Stadtgalerie aufzugreifen und gleichzeitig gezielte Maßnahmen zur Stärkung der Innenstadt umzusetzen.
Wohnraum als verworfene Option
Das Thema Wohnen wurde als alternative Nutzungsmöglichkeit für die leerstehenden Flächen ebenfalls erörtert. Diese Option wurde jedoch seitens der Investoren als wirtschaftlich wenig lukrativ eingestuft und daher nicht weiterverfolgt.
Die Entscheidung über die Zukunft der Stadtgalerie bleibt ein zentrales Thema für die Schweinfurter Stadtentwicklung, wobei die Hoffnung der Kritiker nun auf der Beratung durch den neu besetzten Stadtrat liegt.
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