Ameisenschutz ist Naturschutz – im Landkreis gibt es jetzt zwei Ameisenhegerinnen

BAD KISSINGEN – Jeder kennt sie, doch nur wenige wissen, wie wichtig sie wirklich sind: Ameisen leisten einen unverzichtbaren Beitrag für den Naturschutz. Besonders bei Baumaßnahmen ist es manchmal erforderlich, ihre Nester zu verlegen – eine Aufgabe, die nun von zwei eigens geschulten Ameisenhegerinnen übernommen wird.
Beim ersten Einsatz der neuen Expertinnen wurde gleich ein ungewöhnlicher Fall bearbeitet: Ein Volk der Kahlrückigen Waldameise (Formica polyctena) hatte sich nicht wie üblich ein Hügelnest gebaut, sondern in einer alten, verrosteten Metalltonne eingenistet – und diese war sogar halb mit Fensterglasscheiben gefüllt. Dennoch fühlten sich die Ameisen dort offenbar wohl. „Metall und Glas speichern Wärme, die die Ameisen lieben“, erklärt Reinhold Kern vom Ameisenhegering Miltenberg, der den Einsatz begleitete und das praktische Wissen der neuen Hegekräfte prüfte.

Nach und nach wurden die Tiere behutsam aus der Tonne entnommen, die Glasscherben ordnungsgemäß vom Landwirt entsorgt. Die Ameisen fanden schließlich in großen Behältern ihren Weg in ein neues Zuhause: Ein Gelände des Bund Naturschutz in sonniger Lage, umgeben von Obstbäumen und Wald – ein idealer Ort für die Umsiedlung.


Mit dem erfolgreichen Abschluss dieser Maßnahme haben Martina Faber (Rangerin im Biosphärenreservat Bayerische Rhön) und Anja Vorndran (Landratsamt) ihre zweigeteilte Ausbildung bei der Ameisenschutzwarte Bayern e. V. abgeschlossen und sind nun offiziell befähigt, Ameisenvölker fachgerecht zu betreuen und umzusetzen.
Die Arbeit der Ameisenhegerinnen umfasst neben der eigentlichen Umsiedlung auch die Dokumentation und Nachsorge der Nester, die Betreuung bestehender Kolonien, Kartierung und Identifikation geschützter Arten sowie die Antragstellung bei der Naturschutzbehörde. Denn: Waldameisen stehen unter strengem Artenschutz. Ein Nest ohne Genehmigung zu zerstören oder zu versetzen, kann als Straftat gewertet und mit Geldstrafe geahndet werden.
Wichtig ist, dass vor einer Umsiedlung verschiedene Fragen geklärt sind: Welche Art ist betroffen? Wo befindet sich das Nest? Und warum soll es versetzt werden? Die beste Zeit für eine Umsiedlung ist im Frühjahr – im April oder Mai.
Weitere Informationen und Schulungstermine gibt es unter:
👉 www.ameisenfreunde.de
Auskunft erteilt außerdem die Untere Naturschutzbehörde unter Tel. 0971 801-4085.

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